| Editorial September 2010 |
| von: Ralf Makrutzki |
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Rund sechs Millionen Roma leben in der EU, viele sind in den vergangenen Jahren als EU-Bürger von den östlichen Mitgliedsländern nach Italien, Frankreich oder Spanien gezogen. Dieser Tage ist die Abschiebung Hunderter Roma aus Frankreich zu beobachten, und auch in anderen EU-Ländern sind sie wieder zum Feindbild geworden; so mussten vor wenigen Wochen in Finnland bulgarische und rumänische Roma ein illegales Zeltlager räumen. Und in Dänemark waren zuvor 23 Roma ausgewiesen worden; der Bürgermeister von Kopenhagen hatte die Regierung aufgefordert, angesichts einer Einbruchserie am Rande der dänischen Hauptstadt durchzugreifen. Dies sind nur drei Beispiele dafür, dass Roma im Westen und Norden Europas derzeit vor allem eines droht – die Ausweisung. Nach einer in einigen EU-Ländern bis 2013 geltenden Übergangsbestimmung müssen sie aber innerhalb einer Frist von drei Monaten eine reguläre Arbeit finden, um ein Aufenthaltsrecht zu bekommen. Eine solche Arbeit finden die Roma nur in den seltensten Fällen – und dann droht die Abschiebung. Das löst aber kaum das eigentliche Problem: Die Roma verlassen ihre Heimatländer in Osteuropa vor allem deshalb immer wieder, weil die Lebensbedingungen für sie dort häufig untragbar seien, erklärt Robert Kushen, Direktor des Europäischen Zentrums für die Rechte der Roma (ERRC) in Budapest. In Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Rumänien und Bulgarien ist die Diskriminierung von Roma an der Tagesordnung, bis hin zu Gewaltexzessen gegen Vertreter der Minderheit. Aus dieser Perspektive erscheint ein Leben in Westeuropa für viele Roma immer noch verheißungsvoller als ihr erbärmliches Dasein in der Heimat.
Findet jedenfalls mit besten Grüssen bis zur Oktoberausgabe
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