Editorial Dezember 2008
Editorial Dezember 2008
von: Ralf Makrutzki   

 

Ralf MakrutzkiDie Erwartungen an den frisch gewählten US-Präsidenten Barack Obama sind groß: „Wir brauchen eine neue Übereinkunft für eine neue Welt“, betonte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in seiner Gratulation am Mittwochmorgen. Er verband sie mit dem Wunsch nach einer Auffrischung der Beziehung zwischen der EU und den USA. Die Regierungen der EU-Staaten zeigten Erleichterung, künftig mit dem transatlantischen Partner wieder auf Augenhöhe verhandeln zu können. Das aber setzt voraus, dass sich das gestiegene Selbstbewusstsein der Europäer stärker niederschlägt, wie es beispielsweise auf dem G20 Gipfel geschah: Der Hundert-Tage-Zeitplan, den die EU vorgelegt hat, steht. Ein Aktionsprogramm mit konkreten Maßnahmen ist verabschiedet. Schwellenländer wie China oder Indien ziehen mit. Der Weltwirtschaftsgipfel der G-20 am vergangenen Samstag in Washington zeigte die EU so stark und selbstbewusst wie selten zuvor. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sprach von der „Grundlage für eine neue Steuerung der Welt“ und sah die EU in einer Vorreiterrolle. Auch der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, begrüßte das Ergebnis des Weltfinanzgipfels und verwies darauf, dass sich die EU mit ihrer Forderung nach einer lückenlosen Kontrolle der internationalen Finanzmärkte durchsetzen konnte.

Beim nächsten Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs am 11. und 12. Dezember geht es darum, diese Empfehlungen in Beschlüsse umzusetzen – soweit die Planungen der Kommission. Barroso hat beim Gipfel darauf verwiesen, dass die EU bereits Schritte zur Regulierung der Finanzmärkte vorgenommen habe. Vom europäischen Modell könne die gesamte Weltwirtschaft lernen. Der in Washington vor allem auf Druck der EU beschlossene internationale Zeitplan zur Überwindung der Weltfi- nanzkrise sieht vor, bis März 2009 Vorschläge zur Harmonisierung der Bilanzregeln, zur Kontrolle der Bonussysteme und zur Reduktion der Risiken mit spekulativen Finanzprodukten vorzulegen. Und für April 2009 ist ein G-20-Folgegipfel in London geplant. Der Gipfel hat gezeigt, dass die aufstrebenden Entwicklungsländer nicht länger am Katzentisch sitzen bleiben können, wenn die „Großen“ unter sich tagen. Jetzt ist klar, dass ohne sie die internationale Finanzkrise nicht zu bewältigen ist. Sie werden Verantwortung übernehmen müssen. Mit den Worten Barrosos: „Wir müssen das Funktionieren des globalen Handels, die Weltwährungsprobleme und das wirtschaftliche Ungleichgewicht zwischen den Staaten grundsätzlich
neu angehen. Denn eines hat die Krise gelehrt: Am Ende trifft sie uns alle, ob in den Industrie-, den Schwellen- oder in den Entwicklungsländern.“
Es wünscht Ihnen allen ein gesegnetes und friedliches Weihnachtsfest sowie ein erfolgreiches kooperatives 2009,

 

Unterschrift Ralf Makrutzki