Editorial April 2009
Editorial April 2009
by Ralf Makrutzki   
There are no translations available.

 

Ralf Makrutzki

Leider kein Aprilscherz:  Ausgerechnet in der schweren Wirtschaftskrise steht die EU ohne Führung da: und das zu einem Zeitpunkt an dem sich erstmalig auf dem G20 Gipfel in London das «neue» Amerika Barak Obamas mit dem «alten» Europa treffen wird. Und dort soll nichts geringeres als die Weichen für eine strengere Kontrolle der internationalen Finanzmärkte gestellt werden. Zwei Tage später wird Obama dann beim europäisch-amerikanischen Gipfel in Prag sein. "Chaotisch, führungsschwach, schlecht vorbereitet", lauteten noch die freundlichen Kommentare über den tschechischen Führungsstil. Eine vorzeitige Wachablösung sehen die Europäischen Verträge allerdings nicht vor. Als lahme Ente wird Topolanek oder sein Nachfolger weiterwursteln müssen, bis am 1. Juli die Schweden die europäischen Amtsgeschäfte übernehmen.
Die EU-Kommission erklärte, sie erwarte, dass Tschechien trotz des Sturzes die EU-Ratspräsidentschaft effektiv weiterführe. "Die Kommission vertraut darauf, dass die Verfassung es der Tschechischen Republik ermöglicht, die Ratspräsidentschaft so effizient wie bisher wahrzunehmen", hieß es in einer in Brüssel veröffentlichten Erklärung.

Sechsmonatspraktikanten als EU-Präsidenten kann sich die Europäische Union nicht mehr leisten. Von ihr wird schließlich nichts Geringeres erwartet als eine solide Währungspolitik, die Stabilisierung der Finanzmärkte, eine kohärente Energiepolitik und die Sicherung der Energieversorgung - um nur einige der anstehenden Probleme zu nennen. Doch ausgerechnet die Prager Regierungskrise blockiert die nötige Vertragsreform zusätzlich. Denn als Vorwand kommt sie Tschechiens Staatspräsident Václav Klaus gerade recht, um seine Unterschrift unter den Lissabon-Vertrag weiter hinauszuzögern. Der Lissabon-Vertrag zur EU-Reform kann nur in Kraft treten, wenn ihm alle 27 EU-Staaten zustimmen. Er übernimmt Regelungen aus der gescheiterten EU-Verfassung und erweitert die Vorgänger-Verträge von Maastricht, Amsterdam und Nizza. Die EU soll damit eine eigene Rechtspersönlichkeit erhalten. Zudem wird das Wahlverfahren im EU-Rat reformiert und die EU erhält mehr Befugnisse im Bereich innere Sicherheit und Strafverfolgung.
Das wäre unserer Meinung durchaus wünschenswert, ist aber erstmal in weitere Ferne gerückt. Trotzdem wünschen wir Ihnen einen schönen Frühlingsbeginn und verbleiben mit den besten Grüssen,

Unterschrift Ralf Makrutzki