| Editorial April 2011 |
| by Ralf Makrutzki |
|
There are no translations available.
Auf dem Gelände in Fukushima glühen nicht nur drei kollabierte Reaktorherzen, dort liegen 35 Jahre Atombetrieb in Form abgebrannter Brennelemente herum. Das sind mehrere tausend Tonnen strahlender Müll mit dem radioaktiven Inventar eines halben Atomzeitalters. Schon jetzt ist die freigesetzte Radioaktivität alarmierend - und sie nimmt Tag für Tag mit naturgesetzlicher Regelmäßigkeit zu.
Für das geschundene Japan mag die Ausweitung der Sperrzone ein zusätzlicher Schlag und ein öffentliches Eingeständnis sein, dass alles noch weit schlimmer ist, dass die Krisenmanager die Eskalation nicht aufhalten können. Doch die Vorstellung, dass Kinder und schwangere Frauen noch immer im 50-Kilometer-Radius, also in Reichweite von drei massiv havarierten Reaktoren leben, ist schwer erträglich.
Der Super-GAU ist Realität. Das Etikett, das man der Katastrophe aufklebt, ist sicher nicht entscheidend und zeigt eher die Hilflosigkeit, das Grauen zu buchstabieren. Doch jede Art von Beruhigung oder der Glaube, die Katastrophe könne weitgehend geräuschlos in einen gut handhabbaren Normalzustand übergehen, ist naiv.
Fukushima wird uns noch lange und immer wieder neu in Atem halten. Und Europas Antwort? Alle AKW in der EU sollen sich einer freiwilligen Sicherheitsprüfung unterziehen. Darauf einigten sich die EU-Energieminister bei einem Treffen in Brüssel.
Die europäischen Anlagen müssten auf Risiken wie Erdbeben, Hochwasser, Terrorangriffe und Stromausfall vor Ort überprüft werden. Besonders die Kühl- und Notstromsysteme stünden dabei im Mittelpunkt. Auch werde bei Kraftwerken älterer Bauart strenger und tiefergehend geprüft. Bei den Tests müssten die Kriterien auch an die Lage jedes einzelnen Atommeilers angepasst werden. „Sie werden in einem Kernkraftwerk, das am Meer gelegen ist, zum Thema Überflutung und Hochwasser eingehender prüfen müssen als in einem Kernkraftwerk, das weit über Meereshöhe gelegen ist“, sagte Oettinger. Der Kommissar hatte kurzfristig eine hochrangige Konferenz einberufen, an der Vertreter der EU-Mitgliedsländer, der Atomaufsichtsbehörden und der Energieunternehmen teilnahmen, um über die Konsequenzen aus dem schweren Reaktor-Unglück in Japan zu beraten. Der Stresstest ist von der freiwilligen Mitwirkung der Mitgliedsländer abhängig, da die EU-Kommission keine Kompetenzen in Sachen Atomaufsicht hat. Das wiederum halten wir für einen unglaublichen Skandal, denn wenn es irgendwo angebracht wäre, europäische Qualitätsstandarts zu setzen, zu kontrollieren und einzuklagen, wäre es im Bereich Reaktorsicherheit.
|



