Departmental cooperation for active citizenship of young people
Unsere Freiwillige Antonia war in der schönen Bretagne! Wir entsenden gerne in die Bretagne! Eine atemberaubende Landschaft, viele gute und zuvorkommende Leute…
Atonia war in Saint-Brieuc. Also, an der Atlantikküste. Ganze 10 Monate war sie dort und hat eine tollen, sehr informativen Bericht geschrieben. Es lief nicht alles optimal, aber zum Ende hatte sie sogar ein eher seltenes Angebot bekommen. Et voilà:
ich heiße Antonia und bin 27 Jahre alt (und damit deutlich älter als der Durchschnitt der Freiwilligen, die ich so getroffen habe).
Ich habe gerade 10 Monate in der Bretagne in Frankreich verbracht und erzähle euch hier ein bisschen, wie das so war.
Zuerst einmal ein paar hard facts: ich war in Saint-Brieuc, einer mittelgroßen Stadt an der Nordwest-Küste. Ich war mit 2 anderen Freiwilligen (aus Deutschland und Polen) in einem Haus 15min Fahrradweg von jeweils Stadtzentrum und Meer entfernt, mit eigenem Zimmer und sogar einem Garten.
Das Haus war super ausgestattet, wenn auch mit dem Manko von sich sehr laut (und manchmal gewaltig) streitenden Nachbar*innen. Mit meinen Mitbewohnis habe ich mich an sich gut verstanden, auch wenn es (wie immer irgendwie) ein paar Schwierigkeiten bezüglich der Sauberkeit gab (ich sage nur, es gab Mäuse…) – ein Putzplan hat da aber einigermaßen geholfen.
Anders als erwartet haben wir allerdings nicht viel zusammen unternommen, weil wir alle sehr unterschiedliche Zeitpläne und Interessen hatten, und ich wegen meiner ESC Tätigkeit auch viel unterwegs war – dazu gleich mehr.
In Saint-Brieuc waren noch 6 weitere Freiwillige, und wir haben recht viel zusammen gemacht, häufig nach der Arbeit noch etwas zusammen getrunken oder am Wochenende andere Orte besucht.
Saint-Brieuc ist nicht unbedingt der touristischste Ort der Region, aber es gibt eigentlich immer viele kulturelle Angebote wie Konzerte oder Feste (vor allem wenn der Winter vorbei ist) und es ist definitiv gut gelegen für Erkundungen und Ausflüge.
Wer ein Auto hat, ist definitiv im Vorteil, da der öffentliche Nahverkehr echt sehr begrenzt zirkuliert und man dementsprechend schon mal an einem Sonntag nicht wegkommt.
In Kontakt mit den Locals zu kommen war etwas schwieriger.
Dass ich bereits Französisch gesprochen hab, hat dabei auf jeden Fall geholfen, sowie auch die Teilnahme an lokalen Kursen und Veranstaltungen. Insgesamt denke ich aber, dass wir die meiste Zeit unter Freiwilligen verbracht haben. Apropos Französisch: es war anfangs eine ganz schöne Herausforderung, mein altes Französisch auszukramen und auf der Sprache, die ich seit 10 Jahren nicht benutzt hatte zu sprechen und zu arbeiten. Im Endeffekt bin ich dann aber noch gut reingekommen. Wer nach Frankreich kommt, dem kann ich garantieren, dass er/sie Französisch lernen wird!
Und noch eine letzte Sache zur Bretagne: es stimmt, das Wetter ist echt nicht das Beste. Auch wenn es sehr viel regnet, ist eigentlich das Schlimmste die Unbeständigkeit: 5 min Regen, 5 min Sonne, heiß kalt, Pulli an aus. Man weiß nie was einen erwartet und z.B. ein Picknick oder eine Wanderung zu planen muss eher spontan passieren! Das Sprichwort „In der Bretagne hat man jede Jahreszeit an einem Tag“ ist wirklich wahr. Das Gute daran: man lernt sehr, jeden Sonnenstrahl zu schätzen und wenn dann echt die Sonne scheint, ist die Landschaft und das Grün unbeschreiblich schön.
Nun zu meiner Tätigkeit: meine Arbeit war in der Stiftung der Häuser der Kultur und Jugend der Region. Hierbei habe ich zum Beispiel Trainings für Jugendarbeiter*innen weiterentwickelt und gegeben, aber insbesondere an der Diversifizierung von pädagogischen Tools bzw. Spielen gearbeitet.
Die Themen waren insbesondere sexuelle Bildung und Fake News/Medienkompetenzen. Darüber hinaus habe ich mit verschiedenen Häuser der Kultur und Jugend zusammengearbeitet und Workshops und Events mit ihnen durchgeführt, da vor allem zum Thema mentale Gesundheit (ich habe einen Hintergrund in Sozialpsychologie) und Interkulturalität.
Das war ziemlich cool, weil ich mir dadurch ein gutes Netzwerk aufbauen konnte und mit der Arbeit in den verschiedenen Häusern auch viel in Frankreich rumgekommen bin. Der Wechsel zwischen praktischem Arbeiten mit Jugendlichen und Jugendarbeiter*innen, und dem Arbeiten im Büro am Laptop für die Tools war eine gute Mischung.
Nach 2 Monaten Aufenthalt hat sich meine Tutorin leider krankgemeldet und ist nie wieder gekommen.
Ich würde sagen, meine Organisation hat darauf leider recht schlecht reagiert und ihr Kranksein hat einige Probleme in der Organisation ausgelöst – ich als Freiwillige war da das Letzte, woran sie dachten.
Dementsprechend habe ich mich im Prinzip bis zum Ende ohne Tutorin vorgefunden. Das hat ziemlich viel Unsicherheit und Frustration in mir ausgelöst und ich war nie sicher, ob und was ich machen kann und was nicht. Um was zu tun zu haben, habe ich sehr viel Initiative ergriffen, Verantwortung übernommen und ich bin im Nachhinein froh, dass ich bereits Arbeitserfahrungen hatte, denn sonst glaube ich hätte ich meinen Aufenthalt wegen der mangelnden Unterstützung vorzeitig abgebrochen. Mal wurde ich quasi vergessen als Teil des Teams, und mal habe ich Verantwortung wie die einer Angestellten übernommen.
Das war komisch, weil ich eben nie sicher war, was eigentlich überhaupt meine Rolle war. Wenn ich meine Umstände aber mit denen der anderen Freiwilligen vergleiche, war meine Situation auf jeden Fall eher die Ausnahme und Freiwillige wurden meistens deutlich besser betreut und unterstützt. Ich habe dadurch aber nichtsdestotrotz sehr viel gelernt, konnte viele meiner Idee umsetzen und mir wurde am Ende auch eine Anstellung angeboten (die ich aber abgelehnt habe).
Insgesamt war das knappe Jahr für mich auf jeden Fall eine Lernerfahrung in vielerlei Hinsicht und eine Mischung aus vielen verschiedenen Emotionen und Erlebnissen. Auch wenn vieles nicht gut gelaufen ist, bin ich froh, das gemacht und auch durchgezogen zu haben!
