25 Juni

Boulogne-sur-mer

Hier ein schöner Bericht unseres Freiwilligen Julius… Ihn hatte es nach Nordfrankreich verschlagen, nicht weit von Calais, also direkt am Meer! Ganze 11 Monate war er dort und hatte eine wirklich sehr lehr- und ereignisreiche Zeit. Auch so manches Problem hat er supergut umschiffen können.

Aber lest selbst:

 

Mit Koffer und Tasche bestückt, komme ich nach 8 Stunden Fahrt am Bahnhof in Boulogne-sur-mer, Nordfrankreich an. Mein Tutor empfängt mich direkt am Gleis und zeigt mir in einer ersten Runde, wo ich für die nächsten 11 Monate wohnen, arbeiten, einkaufen, leben werde.
Mein Appartement liegt auf einem Berg mit Sicht auf das Meer und einem “Intermarché” um die Ecke. Außer mir sind auf dem Gelände noch Waisenkinder untergebracht, ansonsten bin ich dort ganz allein.
Nach etwa 2 Stunden kennenlernen, besprechen, versuchen zu verstehen, was der andere meint und einem ersten selbst gekochten Abendessen, falle ich um acht Uhr erschöpft ins Bett. Morgen soll dann direkt der erste Arbeitstag beginnen…

Anfangs kommen einem 11 Monate sehr lange vor. Vor allem die ersten 2 Monate. Den Ort entdecken, Menschen kennenlernen, die Sprache verstehen… Das braucht seine Zeit. Und manchmal ist es auch echt einsam. Zum Glück waren in der Region noch andere Freiwillige aus Italien, Spanien und Schweden. Gemeinsam konnten wir zum Beispiel beim Beachvolleyball oder im International Café neue Leute kennenlernen.
Gearbeitet habe ich in zwei Sozialzentren. Dorthin kamen Menschen mit finanziellen Schwierigkeiten, Jugendliche, die aus der Schullaufbahn ausgestiegen sind, Senioren, Familien mit Problemen und Alle, die einfach dazu Lust hatten.
Sie profitierten im Zentrum von vielen verschiedenen Aktivitäten, wie zum Beispiel Ausflügen in Nachbarorte, Strandaktivitäten, Lernangeboten, Sportangeboten etc.

Als Freiwilliger war ich sehr frei in meinem Tun. Anfangs habe ich noch das Team in seinen Aktivitäten unterstützt, bis ich aus eigener Initiative Projekte organisierte. Dabei habe ich zum Beispiel einen Konzertabend realisiert, bei dem Mitglieder ihre Slams vortragen konnten. Oder ein Familienabend, um der deutschen Kultur/Sprache näher zu kommen.
Im Rahmen der Europawahlen haben alle ESK-Freiwilligen aus der Region zusammen eine Europawoche mit verschiedenen Aktivitäten organisiert.
In Kooperation mit Schulen konnte ich sogar den lokalen Deutschunterricht unterstützen. Aufgrund dieser Erfahrungen studiere ich heute Musik und Physik auf Lehramt.

Neben der Zeit im Sozialzentrum, hatte ich auch Freizeit, in der ich zum Beispiel für zwei Wochen durch Frankreich gereist bin und andere Freiwillige besucht habe. Abends war ich oft im Judotraining und am Wochenende in der Altstadt.

Auch wenn ich anfangs am Zweifeln war, ob ich den Aufenthalt abbrechen soll, bin ich sehr dankbar, eine solche Erfahrung gemacht zu haben. Einfach mal nach dem Abi eine neue Erfahrung machen, eine neue Sprache, Kultur, Ort, Lebensweise, Menschen kennenzulernen, hat mir total gut getan. Warum ich abbrechen wollte hatte verschiedene Gründe: Einsamkeit, das Gefühl der Fremdheit, die neue Lebensweise oder auch die Sprachbarriere.
Mein Tipp, wenn euch auch so fühlen solltet: Werdet selbst aktiv! Sucht euch zum Beispiel ein Mehrsprachencafé, geht in Sportvereine oder wenn ihr Musik macht, sucht euch ein Orchester. Wichtig ist, dass ihr aus eigener Initiative das macht, was euch Spaß macht und dabei Menschen kennen lernt.
Ich habe das Gefühl, dass ich durch die Probleme sehr gewachsen bin und gleichzeitig sehr schöne Erinnerungen gesammelt habe. Ich empfehle daher jedem, der am Überlegen ist, eine solche Erfahrung zu machen:
Traut euch, geht raus und guckt euch um!