Cerisy-Belle-Étoile
Der Titel ist eigentlich der Name des Ortes an dem unser Freiwilliger Luka seinen Freiwilligendienst verbracht hat. Klingt nach Kirschen und schönen Sternen, aber vielleicht ist das auch eine falsche Assoziation von der Übersetzung her… Hier also Lukas schöner Bericht, der echt lustig anfängt…!
Bevor sich Bilbo Beutlin auf seine Reise begab fragte er Gandalf ob er ihm versprechen könnte, dass er zurückkommen wird und dieser antwortete folgendes:
„Nein, und auch wenn, wirst du ein anderer sein.“
Bei mir verhielt es sich ähnlich, nur dass mir Eurocircle mit ziemlicher Sicherheit versprechen konnte, dass ich zurückkommen werde.
Es würde viel zu lange dauern in jedes Detail zu gehen, aber ich werde hier versuchen die wichtigsten Infos zusammenzufassen, die neue junge Freiwillige interessieren könnten und die ihnen Auskunft über meine Erfahrungen geben.
Ich habe nach Freiwilligenprojekten im Ausland gesucht um Auslandserfahrung zu sammeln. Meine damaligen Gedanken waren:
Ich werde mich völlig von meiner gewohnten Umgebung entfernen und werde im besten Fall nur Englisch sprechen.
Ich werde in einer mir völlig fremden Umgebung zurechtkommen müssen und werde dadurch meine Selbstständigkeit trainieren.
Bisher kannte ich ja nur grob zusammengefasst: morgens aufstehen, Essen für die Schule war schon bereit, anziehen, sich fertig machen, in die Schule gehen, von der Schule zurückkommen, Hausaufgaben machen, für Prüfungen lernen und dann sich mit Freunden treffen.
Ich musste raus! Ich wollte etwas Neues: Abenteuer, Herausforderung, making memories… ihr wisst worauf ich hinaus will.
Ich bekam eine Stelle in Frankreich. Um genau zu sein: Meine Unterkunft war in Flers 61100 und gearbeitet habe ich in Cerisy-Belle-Étoile, eine kleine Ortschaft ca. 15-20 Minuten Autofahrt entfernt.
Dort angekommen lernte ich eine neue Definition von mitten im Nirgendwo. Flers ist eine relativ kleine und ruhige Stadt in der französischen Normandie… sehr ruhig!
Es ist selten was Großes los, dafür müsste man in die nächsten größeren Städte gehen wie Caen oder Laval. Trotzdem habe ich es geschafft mir einen kleinen Kreis von Leuten zusammenzufinden mit denen ich meine Freizeit verbringen konnte.
Gearbeitet habe ich im Internat MFR Cerisy-Belle-Étoile. Meine Hauptaufgabe war Musiklehrer und das leiten der Musik-AG, aber im Grunde habe ich geholfen wo ich nur konnte, sei es von Renovierungsarbeiten im Klassenzimmer, Waschen der Schulfahrzeuge oder Aufsichtsperson beim Klassenausflug.
Während meines Aufenthaltes dort, hatte ich teilweise aber auch alle Hände voll zu tun mit privaten Sachen, wie Studium oder Erstattung von der Versicherung für eine beschädigte Brille und vieles mehr. Solche Sachen aus dem Ausland zu regeln und zu verstehen wie gewisse Dinge funktionieren über die man sich bisher keine Gedanken gemacht hat, war für mich definitiv Neuland und das wird es für manche von euch bestimmt auch sein. Beim Betreten von Neuland gilt meiner Meinung nach folgende Kurve:
Neugierde -> gar kein Plan -> Recherche -> Versuch 1 -> Versuch scheitert -> Recherche 2 -> Versuch 2 -> Versuch 2 scheitert -> Frustration -> […] -> Versuch XY -> Versuch XY klappt -> Erleichterung -> Zufriedenheit mit sich selbst/Stolz/…
Privat musste ich mich neben der Sprache natürlich auch gewissen Herausforderungen stellen. Herausforderung Nummer 1: etwas Kochen!
Man bekommt als Freiwilliger nicht gerade viel Geld, aber da man die Unterkunft nicht selbst zahlt reicht es bei vernünftigem Ausgeben für einen Monat und um sich noch etwas auf die Seite zu legen. Wenn man jetzt aber regelmäßig Essen to-go nimmt, über Lieferdienste bestellt und von Restaurant zu Restaurant geht, wird das Geld sehr schnell alle.
Ich habe am Anfang seehr sehhr lange gebraucht, bis ich annäherungsweise die Kurve bekam. Bis zum Schluss meines Freiwilligendienstes habe ich es immerhin geschafft mich nicht zu vergiften.
Ein Freiwilligendienst (vor allem im Ausland) bietet euch sehr viel Freiheit und Spielraum. Ich konnte, bzw. musste zusammen mit meiner Arbeitsstelle meine Arbeitszeiten definieren, meine Aufgabe definieren und vieles mehr. Ich sage es euch ganz ehrlich so hirnrissig das auch klingt… ich war anfangs mit dieser Freiheit überfordert!
In der Schule hatte man einen Stundenplan vorgelegt bekommen. Um die und die Uhrzeit musst du das und das machen oder bereits gemacht haben. Klare und deutliche Vorgaben werdet ihr hier eher seltener vorfinden um man muss lernen sich zu organisieren, strukturieren und zu priorisieren.
Mit dieser Freiheit bietet ein Freiwilligendienst euch eine perfekte Basis um euch selbst zu finden, zu erforschen und vielleicht eine neue Persönlichkeit aufzubauen. Es liegt an euch. Vielleicht wisst ihr noch gar nicht wo genau eure Stärken und Schwächen liegen und ihr wollt noch ein wenig Bedenkzeit wegen dem folgenden Studium so wie es bei mir war. Vielleicht wollt ihr einfach etwas Neues sehen und erleben und vielleicht wollt ihr für andere da sein und etwas Größeres machen also etwas was über euch hinaus geht, anderen helfen, wenn ihr versteht was ich meine.
Man muss sich nur der Sache widmen und sie richtig angehen und nicht nur halbherzig erledigen.
Ich könnte noch stundenlang erzählen aber das Wichtigste ist glaube ich schon gesagt. Was wichtig zu erwähnen ist, ist, dass man beim Lernen von neuen Dingen und wenn man sich Herausforderungen stellt eine bestimmte Einstellung braucht. Ich würde es folgendermaßen beschreiben:
Man braucht eine gesunde Mischung aus Neugierde, Mut und Vorsicht. Damit hat man den Grundstein gelegt für alles was folgt. Danach ist es nur noch Willenskraft und Durchhaltevermögen.
Man benötigt Neugierde damit man die Welt außerhalb der eigenen Komfortzone entdeckt. Man braucht Mut nachzufragen, wenn man etwas nicht versteht und sei es auch zum 100. Mal. Man braucht genauso Mut sich Ängsten zu stellen oder Dinge zu tun, wo man absolut sicher ist, dass sie in die Hose gehen werden. Abschließend braucht man ein klein wenig Vorsicht und Vernunft, denn die Neugierde kann einen auch in gefährliche Gewässer führen und manchmal ist es besser rechtzeitig aufzuhören und einen anderen Weg einzuschlagen, bevor es zu spät ist.
Ist man sich dessen einmal im Klaren würde ich sagen, dass man nur noch eine letzte Sache braucht und die Reise kann losgehen:
Offenheit. Offenheit wofür? Alles! Seid offen gegenüber allem und euch steht nichts mehr im Wege euch an Erinnerungen, Fähigkeiten und Erfahrungen zu bereichern.
Ich hoffe ich konnte euch trotz etwas poetischem Untertons weiterhelfen und falls ihr noch genauere Informationen wissen möchtet, könnt ihr mir gerne jederzeit eine E-mail schreiben an: Luka-v@outlook.com
