08 Jan.

Catania

Ganz im Süden von Italien verbrachte unser Freiwilliger Linus seinen Dienst. Genauer gesagt wo? Genau! In Catania! Das liegt auf Sizilien. Sagt man auf oder in Sizilien? Egal. Hier kommt sein sehr lesenswerter Bericht!

 

Ich bin Linus, 19 Jahre alt und ich habe die letzten acht Monate auf Sizilien, in Catania, gelebt. Dort war ich als Freiwilliger im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps und habe bei Arci, einer sozialen Organisation, die es in ganz Italien gibt und die dort einige Standorte hat, gearbeitet. Ich war nicht allein dort, sondern zusammen mit zwei weiteren Freiwilligen aus Griechenland und Lettland.

Wir waren dabei im Headoffice tätig. Zu jedem dieser Headoffices, die überall in Italien verteilt sind und je eine Region abdecken, gibt es die verschiedenen daran angeknüpften “Circoli”. Das sind Gruppen von Aktivisten, die sich für ein bestimmtes Thema einsetzen. Bei uns gab es diverse Bereiche, zum Beispiel Jugendarbeit, Kulturangebote, LGBTQIA+, Umweltschutz, Migration, Obdachlosigkeit und Mafia.
Da ich aber nicht zu einem Circolo gehört habe, sondern im Headoffice war, hatte ich mit den Aktivisten nur hin und wieder etwas zu tun und war häufiger mit organisatorischen Aufgaben, den Social Media Accounts und der Instandhaltung des Office beschäftigt.
Weil das nicht jeden Tag ausfüllt, haben wir eigene Aktivitäten gegründet, die mehr Menschen auf Arci aufmerksam machen sollten.

Jede Woche hat unser künstlerische Workshop stattgefunden, bei dem man bei einer Tasse Tee zusammenkommen und sich frei mit den von uns gebotenen Materialien kreativ entfalten konnte. Wir hatten auch verschiedene Themenschwerpunkte wie Stempeln, Origami, Collage, Malen auf Leinwand und Fotografie. Dabei kam ich in Kontakt mit den Menschen aus Catania.
Viele davon waren daran interessiert, durch Gespräche mit uns ihr Englisch zu verbessern. So kam immer eine kleine Gruppe zusammen, mit der man sich angenehm unterhalten und an der wir auch unsere Italienischkenntnisse erproben konnten. Unsere Arbeit war also insgesamt sehr frei gestaltet und es gab keine Vorgaben außer ein wöchentliches Treffen am Montag, bei dem alle Arci-Mitglieder zusammenkamen und die Aufgaben der Woche besprochen wurden. Weil die Gruppe aber doch sehr groß war, oft Leute fehlten oder spät waren, selten vorausgeplant wurde und es keine Verantwortungen oder Hierarchien gab, war es oft chaotisch und besonders am Anfang schwierig, eine eigene Aufgabe zu finden und zu wissen, wann man wo sein sollte, insbesondere, wenn ein Ausflug “geplant” war. Aber an diese Probleme, die nicht nur an der Organisation sondern auch an der sizilianischen Kultur lagen, konnte ich mich langsam zumindest halbwegs gewöhnen.

Wir haben zu dritt in einer großzügigen Wohnung mitten in Catania gelebt. Es gab sogar einen Balkon rings um die ganze Wohnung, den man von jedem Zimmer aus betreten konnten und auf dem wir im Herbst und Frühjahr abends immer gemeinsam gesessen haben.
Meine beiden Mitbewohnerinnen waren deutlich älter als ich (beide 28) und häufig mit sich selbst beschäftigt, Daiga (die Lettin) hatte nebenbei auch noch einen Teilzeitjob. Wir haben aber besonders an den Wochenenden gerne was gemeinsam unternommen. Außerdem haben im benachbarten Acireale zwei weitere Freiwillige gelebt, mit denen wir uns auch oft getroffen haben.
Zusammen haben wir Ausflüge in die umliegenden Städte Taormina und Siracusa, aber auch Agrigento, Palermo und Napoli waren dabei.

Das Essen in Catania und Italien allgemein war für mich ein großes Thema, weil mich das sehr begeistert. Ich habe mir Tipps von Leuten aus Catania geholt, um die Gerichte selbst zu kochen und auch ein paar Restaurants besucht. Besonders haben mir aber die Cafés gefallen, weil man dort immer top Kaffee bekommt und es großartige Snacks gibt wie Cipolline, Arancini, Pizzette und viele mehr. Die sind auf Sizilien auch besonders günstig und lohnen sich sehr, wenn man mal dort unterwegs ist und Hunger hat.

Große Highlights waren die beiden Wochen in Rom, einmal zum On-Arrival-Training und dann noch zur Mid-Term-Evaluation. Wir haben in einem Hotel in der Nähe von Rom übernachtet, das fantastisch war und in dem es auch gutes Essen gab.
Das Beste war aber, die vielen Freiwilligen aus anderen Orten in Italien kennenzulernen und sich mit ihnen über die Erfahrungen auszutauschen. Dabei sind auch ein paar Freundschaften entstanden und jede Begegnung war sehr wertvoll für mich.

Das würde ich auch über die Erfahrung im Allgemeinen sagen, das Zusammentreffen mit den Menschen in der Organisation, in Catania und den anderen Freiwilligen war das, was meine Zeit dort ausgemacht hat und wofür ich so dankbar bin. Ich habe dabei viel über mich selbst gelernt und darüber, wie verschieden Leute sein können. Das hat mich sehr viel weiter gebracht und mich nachhaltig verändert.