Cooperativa Sociale L’Accoglienza
Ein italienisches Projekt! Wie schön! Vor allem in einer sehr schönen Gegend! Unsere Freiwillige Greta hatte eine zauberhafte Zeit und der Abschied fiel ihr sehr schwer. Sie hat mit beeinträchtigten Menschen gearbeitet. Eine wirklich herausragende Erfahrung. Hier ihr wirklich toll geschriebener Bericht, der Lust auf Italien macht! Lest selbst!
Ciao tutti!
Ich heiße Greta, bin 19 Jahre alt und habe von September 2023 bis Juli 2024 meinen Freiwilligendienst in Forlì (nähe Bologna) in Italien in einer Einrichtung für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung und/oder psychischen Erkrankungen geleistet.
Nachdem ich am Bahnhof ankam, wurde ich damals von einer unserer drei Mentoren herzlich in Empfang genommen. Daraufhin sind wir dann auch direkt zu einem Kiosk gefahren, wo wir Piadina (typisches Gericht in der italienischen Region Emilia-Romagna) zusammen gegessen und gequatscht haben.
Außerdem traf ich dort das erste Mal auf meine französische WG-Mitbewohnerin, mit der ich die nächsten Monate zusammenleben würde.
Ich war noch etwas schüchtern und zusätzlich müde von der Anreise, aber wir verstanden uns gut. Am nächsten Tag erhielten wir direkt eine Stadtführung, um unsere neue Umgebung besser kennenzulernen und tranken unseren ersten Espresso – ganz schön stark! Aber kleiner Spoiler: Obwohl ich als Nicht-Kaffee-Trinkerin nach Italien gekommen bin, LIEBE ich nun „il caffé“! Zudem traf an diesem Tag noch eine weitere franzöisische Freiwillige ein.
In unserer WG lebten wir mit zwischen drei und sechs Personen zusammen. Das wechselte immer etwas, weil Freiwillige abreisten oder neue ankamen und zwischenzeitlich auch immer wieder Erasmus-Studenten/-innen für drei Monate einzogen. Wir hatten alles – von ruhigem Zusammenwohnen bis Party-WG-Leben.
Ich persönlich hatte aber mehr Kontakt zu meinen beiden französischen Mitfreiwilligen, als zu den Studenten/-innen.
An meinem vierten Tag fing ich dann in meinem Freiwilligenprojekt an. Meine zukünftige Chefin gab mir eine kleine Hausführung, erklärte mir das Wichtigste für den Anfang und stellte mir die zwölf in der Einrichtung lebenden Bewohner vor.
Ich erinnere mir, dass ich von all den neuen Menschen, Namen und Infos ganz schön erschlagen war. Aber alle waren wirklich sehr, sehr herzlich und neugierig auf mich. Mit der Zeit lernte ich alle Bewohner und die Abläufe besser kennen und integrierte mich gut ins Team.
Meine Aufgaben bestanden darin, die Bewohner und Betreuer bei alltäglichen Aufgaben (z.B. Kochen, Zimmer und Bäder putzen, Wäschewaschen) zu unterstützen, Bewohner zu Freizeitaktivitäten (z.B. Reiten, Schwimmen, Theater) zu begleiten und bei Ausflügen (z.B. zum Meer, ins Kino, in die Disko…) die Betreuer bei der Aufsicht zu unterstützen
Außerdem organisierte ich eigene Freizeitangebote für die Bewohner.
Zum Beispiel bastelten wir einen Geburtstagskalender mit allen Geburtstagen der Bewohner und Betreuer in der Einrichtung, kochten zusammen Käse-Spätzle, veranstalteten ein hawaiianisches Fest und einen „deutschen Abend“, bei dem ich einen interaktiven Workshop vorbereitete, um den Bewohner die deutsche Kultur etwas näher zu bringen.
Leider war es oft schwierig, die Bewohner zur Teilnahme an Aktivitäten zu motivieren, da sie oft müde waren von den vielen Medikamenten, die sie einnehmen müssen. Das war dann auch für mich manchmal echt frustrierend, wenn ich viel Zeit und Arbeit ins Organisieren von Aktivitäten gesteckt habe und dann aber niemand teilnehmen wollte.
Trotzdem haben die Bewohner und ich über die lange Zeit eine wirklich enge Beziehung aufbauen können.
Es sind häufig die kleinen Momente gewesen, die mein Herz innerlich zum schmelzen gebracht und mir ein großes Lächeln auf die Lippen gezaubert haben. Eine Umarmung, ein „Ti voglio bene“ (dt. “Hab dich lieb“) oder die Frage, ob ich mich beim Essen neben jemanden setzen kann.
Der Abschied vor wenigen Tagen ist mir, aber genauso den Bewohnern, Betreuern sowie meiner Chefin deshalb wirklich alles andere als leichtgefallen! Ich musste versprechen für einen Besuch wiederzukommen und das werde ich auch auf jeden Fall tun! Und auch, wenn es kitschig klingt, ich habe dort jetzt einfach eine zweite (italienische) Familie gefunden.
Abseits von der Freiwilligentätigkeit im Projekt bin ich an Wochenenden, sowie meine freien Tage oft mit dem Zug gereist und habe viele italienische Städte und Regionen besichtigt u.a. Bologna, Florenz, Rom, Genua, Turin, Venedig, den Gardasee und die Region Apulien ganz im Süden Italiens.
Diese Möglichkeit, einfach in den Zug steigen zu können und in wenigen Stunden an Orten zu sein, wo andere Leute in ihrem Urlaub hinfahren, ist wirklich ein enormes Privileg, das man meiner Meinung nach auf jeden Fall ausnutzen sollte!
Man lernt das Land noch besser kennen, erkennt Unterschiede von Region zu Region, lernt neue Leute kennen und sammelt einzigartige Erinnerungen! Ich bin wirklich sehr, sehr dankbar, diese Möglichkeit gehabt haben zu dürfen.
Ansonsten war die Gemeinschaft der ESK-Freiwilligen wirklich toll! In Forlì gab es zwar leider außer unserer WG keine weiteren ESK-Freiwilligen, aber durch ein von unseren Mentoren organisiertes Treffen lernten wir Freiwillige aus kleineren Orten in unsere Nähe kennen, mit denen wir uns dann auch häufiger für Wochenend-Trips, zum Pasta selbst herstellen oder auf einen Aperitivo trafen.
Außerdem lernte ich viele tolle und unterschiedliche Menschenaus ganz Europa (und teilweise darüber hinaus) beim On Arrival und Mid Term Training in Rom kennen, von denen ich mit vielen bis heute noch Kontakt habe.
Insgesamt war dieser Freiwilligendienst in Italien eine absolut einzigartige und bereichernde Erfahrung für mich! Ich erinnere mich, der Anfang war echt hart, ich hatte viel mit Heimweh und Einsamkeit zu kämpfen, bevor ich all die anderen Freiwilligen kennenlernte. Aber auch diese Anfangsphase habe ich überstanden und bin insgesamt in diesem Jahr extrem über mich hinausgewachsen, habe mich selbst besser kennengelernt und viele so tolle Herzensmenschen kennengelernt.
Ich empfehle wirklich jedem, seine Komfort-Zone zu verlassen und es zu wagen, ins Ausland zu gehen und dort, egal in welchem Land, einen Freiwilligendienst zu machen! Ich verspreche euch, es wird eine Bereicherung für euch und eine Erfahrung, an die ihr euch für immer erinnern werdet!
