Community Roots
Das Freiwilligendienstprojekt „Community Roots“ fand in Italien genauer gesagt in der Stadt Turin statt. Unser Freiwilliger Richard war dort für fast ein ganzes Jahr. Er war nicht zu 100% zufrieden nahm es aber sportlich. Er kann das aber viel besser selbst beschreiben. Hier sein sehr gut geschriebener und interessanter Bericht:
Turin ist keine Stadt, die man auf den ersten Blick ins Herz schließt.
Klar hat sie auch schöne Seiten, aber zwischen postindustriellen Fabrikgeländen, großen Boulevards und den nahen Alpen wirkt sie rau und hart – und dieser Eindruck täuscht nicht.
Außerhalb des Zentrums und des historischen Kerns besteht die Stadt fast nur aus Beton: riesige Wohnblocks, graue Straßen, wenig Grün, Sonne und Beton.
Genau dort habe ich gelebt – in einem der sozial schwierigsten Viertel Turins. Schön war das nicht, aber es war real und Teil meiner Erfahrung.
Mein Projekt hieß „Community Roots“ und fand in einer alten Cascina statt, einem großen Bauernhof am Stadtrand, der zu einem ökologischen Schulungszentrum umfunktioniert wurde.
Dort habe ich im Bildungsbereich gearbeitet: Workshops für Schulklassen und für Gruppen von Menschen mit Behinderung vorbereiten, begleiten und mitgestalten.
Ein fester Einsatzort, aber viele Eindrücke.
Gewohnt hab ich mit fünf anderen Freiwilligen aus Deutschland, Frankreich, Spanien und der Türkei. Das war spannend, oft chaotisch, aber insgesamt sehr bereichernd. Unsere Mentorin war immer zur Stelle und half, wenn es mal nicht rundlief.
In meiner Freizeit war ich viel unterwegs. Ich habe die Alpen erkundet, war wandern und Bouldern und habe die Gelegenheit genutzt, durch Italien zu reisen – von Turin bis nach Rom.
Besonders dabei gefallen hat mir die entspannte Art der Menschen, auch wenn das manchmal zu komischen Situationen führte.
Natürlich nicht zu vergessen, das italienische Essen. Schwieriger hingegen war die Sprache, vor allem im Alltag, wenn Gespräche schnell und hektisch wurden.
Auch die Kommunikation mit meinen direkten Vorgesetzten im Projekt war nicht immer einfach – und das lag nicht nur an der Sprache.
Für mich persönlich war die wichtigste Erkenntnis: Perfektion ist nicht nötig.
Früher dachte ich, alles müsse fehlerlos laufen, weil Fehler peinlich sind und von Unwissenheit zeugen.
In Turin habe ich gelernt, dass Fehler normal sind und ganz sicher nicht ein Ende der Welt bedeuten. Man wächst daran und am Ende geht es so oder so weiter.
Würde ich es wieder machen?
Ja, gerade weil nicht alles toll und glatt lief.
Ein Freiwilligendienst ist eben keine Wischiwaschi-Erfahrung, sondern oft anstrengend und herausfordernd. Aber genau das macht ihn wertvoll.
Für alle, die diesen Bericht gerade lesen und über ein Auslandsjahr nachdenken: Erwartet nicht, dass alles perfekt läuft. Nehmt die Dinge, wie sie kommen, ärgert euch nicht zu sehr und macht einfach das Beste daraus.
