27 Mrz

Cre-Acting Yourself

„Cre-Acting Yourself“ ist ein Freiwlligendienstprojekt in Rumänien. Unsere Freiwillige Gesine leistet dort in der Stadt Konstanza für bisher fast 5 Monate sehr wertvolle Arbeit. Vor allem mit Kindern und Jugendlichen. Sie ist auch nicht alleine. Aber das könnt ihr in ihrem wundervollen Bericht selbst lesen. Es lohnt sich!

„Ich gehe bald ins Ausland für einen Freiwilligendienst beim Europäischen Solidaritätskorps!“
„Das ist ja cool! Wo geht’s denn hin?“
„Nach Rumänien!“
Ich werde ein paar Sekunden lang mit einem Stirnrunzeln beäugt. Dann folgt die legendäre, immer wiederkehrende Frage:
„Nach Rumänien? Bei all den Ländern, wo du hättest hinreisen können – was willst du da denn bitte?!“

Seit dem 01. November 2019 – knapp fünf Monate lang – lebe ich nun schon in Rumänien, genau genommen in der Stadt Konstanza, welche am Schwarzen Meer gelegen ist.
Ehrlich gesagt, wusste ich am Anfang selbst noch nicht genau, was mich hier erwarten würde, denn unter allen Reisezielen, die mir bisher so im Kopf schwebten, war mir Osteuropa eigentlich noch nie in den Sinn gekommen.
Wie die meisten jungen Leute in meinem Umfeld überlegte ich zunächst in Spanien oder England meine Sprachkenntnisse erweitern oder ganz weit weg über das Meer fliegen, um in Amerika oder Asien neue Kulturen zu entdecken.
Im September stieß ich über den Europäischen Solidaritätskorps jedoch auf das Freiwilligenprojekt „Cre-Acting Yourself“, welches in Kürze in Konstanza stattfinden sollte und mich unter allen Projekten letztlich am allermeisten ansprach.

Nun bin ich hier. Gemeinsam mit 5 weiteren Freiwilligen aus Frankreich, Norwegen, Litauen, Russland und Deutschland lebe und arbeite ich seit knapp 5 Monaten zusammen und kann ehrlich behaupten, dass es die bisher spannendste Zeit meines Lebens ist – besonders, weil ich nun zum ersten Mal ausgezogen und dann gleich für längere Zeit ins Ausland gegangen bin.
Wir leben hier jeweils zu zweit in einem Zimmer, sodass ich nicht nur die rumänische Kultur kennengelernt habe, sondern auch unfassbar viel über das Leben und die Sprache meiner Mitbewohner erfahre.
Unsere bisherigen Aktivitäten im Projekt sind sehr vielfältig mit einem Fokus auf interkulturellen Austausch sowie außerschulische Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen.

Die Aktivitäten sollen dabei helfen, eine sozialere und kreativere Atmosphäre in den jeweiligen Gruppen zu schaffen. Am Anfang des Projekts veranstalteten wir zunächst jeden Montag einen interkulturellen Abend, für den jeder eine Präsentation über sein Heimatland sowie passende Spiele und Snacks vorbereitete. Hier lernten wir auch viele rumänische Freiwillige kennen, die uns super offen und freundlich aufgenommen haben.
Darüber hinaus fanden Team-Buildings statt, mehrere Workshops mit einem Musiktherapeuten, welcher uns Tipps für die Arbeit mit Kindern gab und nicht zuletzt unser aller persönliches Highlight: das On-Arrival-Training in Bukarest.
Hier wurden wir mit vielen anderen internationalen Freiwilligen Rumäniens für 5 Tage auf unsere Arbeit vorbereitet und schlossen Freundschaften, die wir auch später bei einem Treffen über Silvester und einer Mid-Term-Evaluation im Februar wieder aufleben lassen konnten.

Im Laufe des Dezembers halfen wir bei einigen kleineren Events. Meine Zimmernachbarin und ich schrieben beispielsweise ein Weihnachts-Medley, welches wir singend mit Begleitung unserer Ukulelen in zwei Altersheimen aufführten und wir halfen dabei, Kinder- und Jugendtreffpunkte weihnachtlich zu dekorieren. Außerdem sortierten wir zusammen Kleidungsstücke, die wir als Spenden in einem Krankhaus verteilten und besuchten eine Freiwilligen-Gala.

Ab Januar begannen wir schließlich mit dem Hauptaspekt unseres Projekts, dem sogenannten „Assertiveness-Training“, welches wir in mehreren Klassen zweier Schulen anboten.
Wir vermittelten den Kindern mithilfe von Gruppenspielen und -aktivitäten, wie sie effektiv für ihre eigenen Bedürfnisse einstehen, aber dabei auch die Gefühle ihrer Mitmenschen beachten und respektieren können. Zu den Themen zählten auch eigene Fehler zu akzeptieren, sich aufrichtig zu entschuldigen, ehrliche Komplimente machen zu können, selbst Komplimente anzunehmen und vieles mehr.
Mit meiner Koordinatorin, die selbst psychologische Psychotherapeutin ist, haben wir verschiedene theoretische Grundlagen dafür gelernt und auch Ideen für Aktivitäten bekommen, mithilfe derer wir den Kindern die Konzepte spielerisch näher bringen können.
Im März kehrten wir schließlich auch von unserer dreitägigen Mid-Term-Evaluation und einem Ausflug in die Berge Transsylvaniens zurück, um uns zurück in die neu gewohnte Routine zu stürzen, doch dann… kam plötzlich alles anders.

Aufgrund der Corona-Krise bleiben wir nun schon seit über zwei Wochen in unserer Unterkunft und versuchen unsere sonst so persönliche Arbeit in Zukunft online umzusetzen. Nun stehen Workshops per Videochat, Social-Media-Content, Blogartikel und Videos an. Es ist definitiv nicht das Gleiche und war für alle zunächst eine frustrierende Umstellung. Ich hätte auch gerne mehr Zeit gehabt, um das Land zu bereisen, denn, wenn ich etwas gelernt habe, dann, dass es sich lohnt, sich auf komplett neue Länder einzulassen, selbst wenn diese nicht die offensichtlichsten Urlaubsziele sein sollten.

Rumänien hat sich, insbesondere was die Natur in den Bergen oder den Strand angeht, als super schönes Land herausgestellt. Letztendlich kommt es auf die eigene Einstellung und auf die Kontakte an, die man knüpft, denn wenn diese stimmen, kann man überall eine wunderbare Erfahrung sammeln und schöne Dinge entdecken. Das ist im Übrigen auch meine Antwort auf die Frage „Warum Rumänien?“, die mir so oft in Deutschland vor meiner Abreise gestellt wurde.

Obwohl ich nun nicht mehr allzu viel außerhalb meiner Unterkunft erleben kann, bin ich sehr froh, zurzeit nicht allein, sondern gemeinsam mit meinen Freunden aus dem Projekt isoliert zu sein. Wir alle lernen nun, außerhalb der Box zu denken und neue Wege der Kreativität zu finden. Egal, wie es nun weitergeht, gelohnt hat sich meine Erfahrung als Freiwillige in Rumänien ganz sicher.