26 Mrz

Flers Agglo

„Flers Agglo“ ist ein ESK-Freiwilligendienst-Projekt in Flers/Frankreich. Wir haben immer viele Freiwillige in und um Flers herum. So wird es in der Freizeit nie langweilig und auch die Projekte sind vielfältig und interessant. Hier nun ein Bericht von unserem Freiwilligen Cornelius, der für insgesamt 10 Monate Dienst leistet:

 

Salut, ich heiße Cornelius (m), bin 20 Jahre alt, komme aus Dresden und seit nun fast 6 Monaten arbeite ich in einer kleinen Gemeinde in der Normandie namens Flers.
Noch ungefähr 4 Monate werde ich hier bleiben.
Meine Arbeit findet in 2 Einrichtungen statt, es ist die eines Animateurs. Das bedeutet, dass ich kleine Projekte, sogenannte Animationen, organisiere, welche dem kulturellem und sprachlichem Austausch dienen.

Was anfangs noch seltsam erschien, ist nunmehr teil meines Alltags geworden. Bevor ich mich für diese Stelle beworben habe, wusste ich eigentlich noch gar nicht richtig, was das genau bedeutet. Denn ich kannte diese Art der Projekte in Deutschland nur als Ferien- und Freizeitangebote. Dass in Frankreich dahinter ein großes soziales Konzept und mehrere Einrichtungen stehen könnten, habe ich erst hier gelernt und nun bin ich ein Teil davon.

Dadurch, dass mir viel Freiraum gegeben wird, kann ich nun selbständig eigene Projekte verwirklichen, wie Reisen, Sprachcafés, Kochateliers oder kleine Unterrichtsstunden, sogenannte Interventionen, in denen ich mich zum Beispiel über unterschiedliche Schulkonzepte mit Schülern austausche oder die deutsche Kultur und Sprache vermittel.

Unter der Woche bin ich fast den ganzen Tag auf Arbeit. Glücklicherweise gibt mir mein Arbeitsplan Montagmorgen und Freitagabend frei. Dadurch habe ich ein verlängertes Wochenende und die Möglichkeit mir andere Orte und Städte anzuschauen und zu reisen. Ich war bereits in Saint-Malo, in Caen und in Granville und durfte Anfang Oktober noch im Atlantik baden, ein tolles Erlebnis.

Ich wohne in einer WG zusammen mit einem Deutschen und einer Italienerin. Ich habe mich sofort gut mit dem anderen Deutschen verstanden. Das stand zwar meinem Französischlernen etwas im Wege, kam meinem Wohlbefinden in einer fremden Stadt und in einem fremden Land jedoch zu Gute.
Mit der anderen Freiwilligen gab es einige Kommunikationsprobleme und Meinungsunterschiede, diese haben wir aber gemeinsam überwunden, wir respektieren uns und verstehen uns zumindest platonisch. Mit den anderen Freiwilligen in meiner Stadt treffe ich mich regelmäßig und wir unternehmen viel gemeinsam.

Ich habe insgesamt 5 Wochen Ferien, die ich über meine 10 Monate hinweg verteilen kann. Diese nutze ich, um Orte in Frankreich zu besuchen oder an den Feiertagen zurück zu meiner Familie und meinen Freunden nach Dresden zu fahren.

Das wöchentliche Taschengeld der Organisation ermöglicht es mir zu reisen, shoppen zu gehen und gut zu essen. Ich habe angefangen sehr viel selber zu kochen und bin selbständiger geworden. Der Haushalt führt sich nicht von allein, es gibt keine Eltern die putzen, aufräumen oder abwaschen. Ich lerne also selber klarzukommen und selbst auf mein Geld zu achten. Das ist zwar nicht mehr Hotel Mama, bietet aber auch viele Freiheiten. Das ist eine gute Vorbereitung auf das spätere Leben.

Weil ich auf das deutsche Brot nicht verzichten kann, habe ich gelernt Brot zu backen. Neben dem Brot backen gibt es viele andere Fähigkeiten, die ich hier erlernt habe.
Ich kann jetzt richtig gut mit Canva umgehen und Plakate kreieren.
Der Billardtisch auf meiner Arbeit hat mich zu einem starken Billardspieler gemacht. Auch im Bowling bin ich besser geworden.
Durch meine Arbeit fällt es mir immer leichter vor Menschengruppen zu sprechen. Ich lerne außerdem, anderen Menschen Dinge beizubringen. Improvisieren ist ebenfalls ein Skill, den ich durch die vielen unvorhersehbaren Momente in meinen Projekten täglich auf die Probe stelle.

Manchmal vermisse ich Dresden ein wenig. Dann telefoniere ich mit Freunden und Familie. Kleine Pakete, die mir meine Familie aus Dresden schickt, sorgen für nostalgische Glücksmomente.

In Dresden ist die Karnevalskultur weniger vertreten. Hier in Frankreich durfte ich bereits dreimal in 3 unterschiedlichen Städten Karneval mit erleben. Es ist sehr bunt, es gibt Musik und es wird getanzt.

Auch wenn ich mich mittlerweile gut eingelebt habe, gab es ein paar Startschwierigkeiten. Anfangs konnte ich kaum Französisch. Ich konnte mich nicht richtig ausdrücken, meine Bedürfnisse formulieren, geschweige den ein Gespräch führen. Deswegen viel es mir schwer französische Freunde zu finden. Ich bin mit anderen Freiwilligen zusammengekommen, die die gleichen Sorgen hatten und schon war es nicht mehr so schlimm. Mittlerweile kann ich mich in einfacher Sprache gut unterhalten. Ich habe sogar schon meinen eigenen französischen Humor entwickelt. Ich rede gerne auf Französisch und bin sehr Stolz auf meinen Fortschritt, der sich täglich bemerkbar macht.

Die Arbeit war anfangs nicht so leicht zu verstehen. Dieses Konzept kannte ich vorher so noch nicht und ich wurde auch nur bedingt an die Hand genommen, bzw. die Sprachbarriere bremste mich aus. Deswegen gilt es selber aktiv zu werden, Ideen und Vorstellungen zu haben, die man umsetzen möchte. Es ist keine Arbeit, bei der man direkte Aufgaben bekommt und diese abarbeitet, zumindest nicht bei meiner Stelle. Mittlerweile bin ich auf den Geschmack gekommen und es macht mir Spaß selber Projekte zu organisieren.

Die Erfahrungen bei Freiwilligendiensten im Ausland sind für jeden unterschiedlich. Trotzdem hoffe ich, dass dieser Bericht einen kleinen Eindruck vermittelt, was auf einen zu kommen könnte. Auch wenn es manchmal schwierige Momente gibt, sind diese wertvoll und es gibt so viel tolles, was man erlebt und ich kann jedem nur wünschen einen Freiwilligendienst zu machen.