02 Okt

GPS – Group of Solidary People

„GPS – Group of Solidary People“ ist ein Freiwilligendienstprojekt in Lissabon. Wir hatten schon einmal Freiwillige dort und nun sind aktuell zwei Freiwillige dort. Alles nicht so einfach, da beide noch mitten in der Covid-19-Welle anreisten. So gab es zu Beginn nicht viele Möglichkeiten sich zu engagieren oder die Freizeit zu genießen. Mittlerweile ist die Welle aber abgeebbt und das normale Leben läuft wieder. Hier zunächst ein Bericht von Felicitas. Ein weiterer Bericht folgt bald.

 

Als ich Anfang Januar 2021 nach Portugal gekommen bin, war ich sehr aufgeregt und wusste nicht richtig, was mich erwarten wird. Ich hatte die Entscheidung nach Lissabon zu fahren sehr kurzfristig getroffen.
Als ich in der Wohnung ankam, war ich erstmal glücklich, dass wir ein Wohnzimmer hatten. Wir teilen uns nämlich das Zimmer mit einer weiteren Person und da ist ein Gemeinschaftsraum essenziell.
Die Wohnung liegt leider nicht im Zentrum von Lissabon, sondern ziemlich weit außerhalb. Dafür ist es hier relativ ruhig.
Nach meiner Ankunft haben wir direkt die Information erhalten, dass unsere Mentorin Kontakt mit einer mit Covid-infizierten Person hatte und deswegen zwei Wochen in Quarantäne muss.
Also hatten wir erstmal zwei Wochen Zeit, um uns ohne Arbeit in Lissabon einzuleben. Wir haben uns als WG kennengelernt und unsere ersten längeren Spiele-/ Trinkabende gehabt.
Danach fing die Arbeit an.

Wir durften nach zwei Wochen endlich zu CAIS kommen. Wir haben in den ersten Tagen alle Menschen kennengelernt und Gespräche darüber geführt, was uns erwartet, bzw. was wir uns von dem Aufenthalt erhoffen.
Wir haben dann kleinere Aufgaben übernommen, wie Zeitschriften sortieren oder Zimmer aufräumen und dekorieren. Wegen Covid war die Arbeit erstmal sehr abgespeckt, auch für die Menschen, die dort angestellt waren.
Am Anfang hatten wir auch noch die Regelung, dass wir eine Woche zu CAIS kommen und dann eine Woche Homeoffice haben. Dadurch hatte ich aber genug Zeit, um das Land zu erkunden und bin zum Beispiel nach Porto gefahren, wo sich andere Freiwillige getroffen haben.
Ende Januar hat eine Mitbewohnerin von mir Covid bekommen und ich hatte es dann drei Tage später auch.
Unser Verlauf war nicht sonderlich schlimm, aber wir mussten dann nochmal zwei Wochen in Quarantäne bleiben. Diese Zeit war etwas anstrengend, weil man in der Wohnung nicht wirklich social distancing betreiben konnte.
Danach durften wir endlich wieder das Haus verlassen. Wir haben dann Portugiesischkurse von einem Freiwilligen der Assoziation bekommen, die sehr witzig waren.
Auch weiterfolgend hatten wir dann noch mit einer anderen Person von CAIS die Möglichkeit Portugiesisch zu lernen. Generell spreche ich aber leider noch nicht so gut, obwohl ich versucht habe, mich etwas reinzuhängen. Hier sprechen die Menschen aber euch gerne Englisch mit dir, wenn sie merken, dass du nicht so fit in der Landessprache bist.
Nach einiger Zeit wurde unser Arbeitsfeld erweitert. Wir sollten die Workshops „Artes plásticas“ und „teatro“ betreuen.
Für die beiden anderen Mitbewohnis fing das Projekt „futebol de rua“ an. Wegen Covid konnten wir diese Arbeit nicht schon eher machen. Mit diesen Projekten entstand mehr Kontakt zu den Nutzern der Assoziation. Wir haben endlich mehr Bezug zu den Menschen bekommen, welche von der Organisation unterstützt werden. Neben unseren Workshops hatten wir auch ein paar Tageseinsätze, bei denen wir die Häuser von den Nutzern der Organisation renoviert haben.

Neben der Arbeit habe ich natürlich auch versucht, mich etwas in Lissabon einzuleben. Ich habe dies und das probiert und unterm Strich habe ich jetzt einen portugiesischen Kumpel. Alle anderen Freunde kommen aus anderen Ländern und haben sich über die Whatsapp-Gruppe der Freiwilligen kennengelernt. Wir haben auch einen sehr netten Kontakt zu den Nachbarn, die uns manchmal Gemüse aus ihrem Garten schenken. Sie haben uns auch zum Kaffee eingeladen, aber wegen Covid wollten wir es nicht riskieren, zu älteren Menschen in die Wohnung zu gehen.
Generell war es aufgrund von Corona sehr schwer Kontakte zu knüpfen. Alle Orte, wie Bars oder Clubs, waren ja zeitweise geschlossen oder machten früher zu. Morgen sollen die Clubs aber wieder öffnen und dann werde ich endlich meine Feiererfahrungen sammeln.

Natürlich habe ich jetzt aber nicht die ganze Zeit vorher zu Hause gesessen. In Lissabon trifft man sich an den Miradouros um Bier zu trinken und den Sonnenuntergang zu sehen.
Generell hat mir dieser Auslandsaufenthalt bis jetzt sehr gefallen. Ich habe viel über andere Menschen und mich selbst gelernt. Es war spannend mit neuen Mitbewohnis zusammenzuleben. Obwohl wir alle sehr verschieden sind, haben wir es geschafft, fast ohne Reibungen zusammenzuleben. Trotzdem freue ich mich schon sehr darauf, mal wieder ein eigenes Zimmer nach dem Freiwilligendienst zu haben. Auch die Kollegen der Assoziation sind spannende Menschen und ich habe sie inzwischen sehr ins Herz geschlossen.
Mir ist aufgefallen, dass der Stress, den ich von deutschen Arbeitsverhältnissen kenne, hier nicht so stark vorhanden ist. Hier kommt man erstmal in Ruhe an, trinkt einen Kaffee und unterhält sich ein bisschen, bevor man sich dann an die Arbeit macht. Das mochte ich sehr. Dadurch hatte man auf Arbeit auch eine sehr familiäre Atmosphäre.
Was mir nicht so gut gefallen hat war, dass unsere Mentorin sich mit Informationen meistens an die spanischsprachigen Mitbewohnerinnen gewendet hat. Dadurch hatte ich das Gefühl, dass ich und mein anderer deutscher Mitbewohner etwas außen vor waren. Es war nicht sonderlich dramatisch, aber dennoch etwas nervig, wenn man sprachbedingt nie direkt Infos erhält, obwohl man ja auch inzwischen Portugiesisch versteht.
Ich freue jetzt noch sehr auf die restlichen 3 Monate. Die Zeit verging wie im Flug!