29 Jan

Volunteers for community of Valmiera

„Volunteers for community of Valmiera“ ist ein EFD-Projekt in Lettland. Wie der Titel sagt in Valmiera. Wir haben bereits in der Vergangenheit erfolgreich mit der Organisation – einer Stiftung – zusammengearbeit und auch jetzt handelt sich um ein größeres Projekt mit 3 Freiwilligen von uns.  Emmilie, Lam und Enno arbeiten in unterschiedlichen Bereichen. Im folgenden zuerst ein kurzer Bericht von Lam, der in einer Kinder-Freizeiteinrichtung arbeitet, dann ein sehr lesenswerter Bericht von Enno, der sich um Senioren/innen kümmert. Der Bericht von Emmilie, die im Bereich Multimedia ihren Dienst leistet, wird noch nachgereicht. Los geht’s mit Lams Bericht!

Ich hatte die Chance nach Lettland zu reisen. Um genauer zu sein nach Valmiera (Wolmar).
Mittlerweile sind schon 2 Monate vergangen, dass ich hier bin.

Am Anfang war es ein bisschen gewöhnungsbedürftig, da alles neu für mich war, aber das ist normal.

Nach 3 Wochen habe ich mich endlich in meine Tagesroutine eingewöhnt und alles lief wie es laufen sollte.

Mit der Zeit gibt es sehr viele Chancen andere Freiwillige kennenzulernen, die in anderen Gegenden Latvijas wohnen.

Vor allem während des On-Arrival-Trainings und danach hast du die Chance neue, verschieden interessante Leute kennenzulernen. Sowohl die Leute in meiner Organisation, als auch die Leute, die mit mir zusammenarbeiten sind alle super nett.
Man fühlt sich sehr herzlich willkommen. Und das ist das Allerwichtigste.

So nun zu meinem Projekt: Ich arbeite in einem Kids Day Centre, wo ich Kinder aus benachteiligtem Familien betreue und Freizeitaktivitäten mit ihnen gestalte.

Ansonsten bin ich schon ziemlich gespannt was noch auf mich zukommt dieses Jahr. Vor allem habe ich einige Pläne was ich auf jeden Fall noch machen muss bevor ich abreise.

Also Peace vom kalten Fleck Lettlands.

Dass es mich nach Lettland verschlagen sollte um mit Senioren zu arbeiten, den hellen Schnee und dunklen Winter zu erleben, und die baltischen Staaten zu erkunden, hätte ich im Frühjahr 2016 nicht zu denken gewagt.

Auch im Sommer des Jahres bestand dazu noch keine Vermutung. Ich war mit meinem Studium unzufrieden. So trieb mich ein allgemeiner Unmut über meine Lebenssituation zu dem Wunsch ins Ausland zu gehen, durch einen EFD Distanz zu gewinnen, doch hatte ich das Bewerben, mit gewünschter Abreise im Herbst, bis in die letzten Wochen hinausgezögert. So begab es sich, dass ein Bewerbungshagel meinerseits auf die noch freien EFD Projekte einschlug. Es kristallisierte sich bald Lettland als wahrscheinlichster, sicherster und zeitnahster Kandidat heraus und so griff ich, der Ungewissheiten vorheriger Monate überdrüssig, zu!

Was wusste ich schon über die Ostsee-Republik, deren waldüberzogenen Weiten gerademal etwas mehr Einwohner fassen als die der Stadt Hamburg.
Wenigstens konnte ich das Land von seinen beiden baltischen Nachbarn unterscheiden. Ein Wissen, das, wie mir bei Erklärungsversuchen für Teile meiner Verwandtschaft aufging, nicht als „common sense“ betrachtet werden kann.
Meine Wissenslücken füllte indes der Lonely Planet Baltikums-Reiseführer mit bunten reisefröhlichen Bildern und Erwartungen. Viel Zeit zum Lesen blieb nicht bis zur Abreise, geschweige denn über die Arbeit mit den Senioren nachzudenken.
Sicher hatten einige Menschen meines Umkreises bedenken geäußert, ob ich nicht dort „einginge“ – in der Dunkelheit, mit den Senioren, die im Heim vor sich hinleben und sterben. Ich nahm es wie es kam – Hauptsache fort.

Und das ist vielleicht die beste Einstellung. Sicher, du magst jetzt vielleicht denken, ich sei nur ein halbfertig gebackener Freiwilliger und gerade mal 3 Monate hier, aber lass mich dir sagen:
Die Projektvereinbarung, Einsatzort und Dauer bilden nur den Rahmen, wie du das Bild darin ausmalst entscheidest du!
Wie du dich streckst und biegst und lernst und genießt – ich erahne hier so langsam, dass es das ist worum es geht. Daher bin ich auch vorsichtig Lettland oder mein Projekt himmelhoch zu loben, obwohl ich Grund dazu hätte, doch was ich hier erlebe, wodurch ich mich hier, das kann ich schon sagen, zum Besseren entwickele, dass hätte ich auch in Spanien, Ungarn, Georgien mit Kindern, Bären, Straftätern haben können.
Gewiss, auch hier gibt es manchmal Probleme, größere Herausforderungen, schwierige Arbeitspartner, aber auch das ist es was ein gutes Projekt braucht.
Und deswegen bin ich Lettland, meinem Arbeitsort Valmiera, dem Altenheim und all den Menschen die ich hier kennen und lieben gelernt habe dankbar. Sie schaffen den richtigen Rahmen aus Freude und Herausforderung um mich weiter zu entwickeln. Da ist es vielleicht auch einfacher keine Vergleichsmöglichkeiten zu haben.

Ja, etwas mehr als drei Monate sind es jetzt und ich kann dir versichern, dass ich nicht „eingegangen“ bin.
Das liegt zum einen an der Arbeitsstelle. Mir werden viele Gefühle von den Klienten im Heim entgegengebracht, Zweifel, Zurückhaltung, Ablehnung, aber auch reichlich Freude, Interesse, Tanzlust, Erinnerung, Großmuttergefühle und so weiter. Was ich schätze ist, dass diese Gefühle immer aufrichtig, echt sind. Keiner versteckt sich hinter falschen Worten. Und das macht das Arbeiten gut, lässt Raum für Kommunikation auch mit den schwierigeren Bewohnern. Dass ich noch mangelnde Sprachkenntnisse im Lettischen habe, macht es zwar oft nicht leichter, bietet aber fürs erste einen guten Schutz, um eine professioneller Distanz zu wahren. Denn der Tod ist an diesem Arbeitsplatz so gegenwärtig wie natürlich. Zum anderen hilft da eine tüchtige Menge Freizeitaktivitäten die (innere) Sonne länger scheinen zu lassen.
Ich versuche möglichst viel hier im 30 000 Einwohner Städtchen mitzunehmen und bin immer aufs Neue erstaunt von der Größe des Angebots hier in Valmiera:
Ich gehe schwimmen, ins Fitnessstudio, im Nationalpark joggen, lerne zweimal die Woche lettischen Volkstanz, sitze im Debattierclub, lerne von der Dramatherapie oder vielleicht bald vom Improthater, erfahre und sauge die lettische Sprache auf, spiele beizeiten Mundharmonika und erkunde am Wochenende, wenn möglich, das Land und seine Bewohner zusammen mit all den anderen Freiwilligen, die hier meine inzestuöse Großfamilie bilden.

Bis auf Weiteres, Enno.